documenta 14: Club der toten Künstler in Kassel und Athen.

Die documenta ist die weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Sie findet alle fünf Jahre statt  und dauert jeweils 100 Tage. Die erste documenta wurde 1955 veranstaltet. Standort der Documenta ist Kassel, wo am 10. Juni 2017 die documenta 14 eröffnet wurde.
Ist die documenta 14 gescheitert ?
Die documenta 14 endet am Wochenende. Finanziell entging sie knapp der Pleite. Aber was bleibt sonst von der Weltkunstschau in Kassel?
screenshot/homepage
Politisch wie nie wollte die am Sonntag endende Weltkunstschau sein, die seit dem 8. April in Athen und seit dem 10. Juni in Kassel zu sehen war. Deshalb gastierte sie auch in der krisengeschüttelten griechischen Hauptstadt. Aber die Macher sind an ihren Ansprüchen gescheitert, auch wenn durchaus bewegende Kunst zu sehen war. Der reiche, neoliberale Westen ist schuld am Elend der Welt!  Das war das einzige Leitmotiv, das sich durch die documenta 14 zog. Einen künstlerischen roten Faden brauche man nicht, sagte einer der Kuratoren bei der Eröffnung im Juni in Kassel. Die jeweiligen künstlerischen Leiter der documenta geben sich gerne eine Aura des Mystischen. Wer aber Adam Szymczyk auf den verschiedenen Pressekonferenzen vor der Eröffnung erlebt hat, konnte den Eindruck bekommen, er sei weder an Publikumskontakt interessiert noch daran, dass die Besucher seine Ausstellung auch verstehen. Seine künstlerische Vision? "Wir müssen uns dem Neoliberalismus entgegenstellen", rief er auf der Eröffnungs-PK in Kassel, um sich danach ausführlich bei den vielen documenta-Sponsoren aus Wirtschaft und Politik zu bedanken.
Der Club der toten Künstler.
Kritik, die immer wieder zu hören war: Man fühle sich als Besucher total verloren, weil eine schiere Masse an Kunst aus allen Teilen der Welt angekarrt worden sei, Kunst vom Volk der Samen, Videokunst von jungen Mongolen, man aber keinen Zusammenhang erkennen könne. Angegriffen wurde die Documenta auch, weil sie angeblich nicht viel mit einer Schau aktueller Kunst zu tun habe. Ein Großteil der Künstler sei längst verstorben. Von 219 Künstler waren 55 bereits verstorben. Auf der Documenta in Kassel aber sind neben den vielen Toten auch noch 55 Künstler älter als 60. 26 Künstler kommen aus Griechenland, elf davon sind jedoch verstorben und reisen demnach nicht nach Kassel. Auch die Deutschen müssen sich auf dem großen deutschen Kunstfestival bescheiden. Nur elf wurden eingeladen.
Der frühere künstlerische Leiter der documenta Roger M. Buergel fürchtet mit dem drohenden Millionen-Defizit der aktuellen documenta um die Unabhängigkeit der Kunstausstellung in Kassel. Bürgschaften von Land und Stadt stützen die finanziell angeschlagene documenta in Kassel, doch Ausstellungs-Chef Adam Szymczyk attackiert weiterhin die möglichen Retter.

Kommentare

  1. Katzelberger9/16/2017

    riskante projekte soll es immer wieder geben...jawohl...solange die auch PRIVAT finanziert werden hat wohl keiner ein problem damit.

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  2. Es tun sich immer mehr Abgründe auf, basierend auf sachlicher und kaufmännischer Unwissenheit ( nett formuliert ) und absoluter Inkompetenz der agierenden Entscheidungsträger ! Und der brave Steuerzahler wird am Ende die Zeche für diese arrogante Führungsriege bezahlen und die Herrschaften sind fein raus! Hoffentlich siegt am Ende die Gerechtigkeit, aber das zu glauben ist bei unserem Rechtssystem enorm schwierig.

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  3. Das Problem regelt sich erst dann, wenn nicht mehr auf Kosten der Allgemeinheit utopische Objekte zur kostenträchtigen Kunst erklärt werden, sondern die Künstler, wie bei Zirkus Krone, durch die Eintrittsgelder bezahlt werden.
    Erst dann werden diese mafiosen Strukturen durchbrochen, die nach dem Muster funktionieren, "Ich erkläre Dir was Kunst ist, Du kaufst sie mir mit öffentlichen Mitteln ab und ich erkläre Dich zum städtischen Kunstexperten".
    Das ganze ist eine verschleierte Veruntreuung öffentlicher Mittel, die an anderer Stelle dringend fehlen.

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