Wäre es schlimm wenn es kein Theater mehr gäbe?

Wenn jemand fragt: Wäre es denn schlimm wenn es kein Theater mehr gäbe, dann antworte ich in der
Foto:privat
Regel: Nein für Sie wäre es nicht schlimm. Obwohl, auch insgesamt: Wirklich brauchen tut der Mensch das Theater nicht.
Er braucht in unseren Breitengraden ein Dach über dem Kopf Nahrung, Wasser, Feuer, Luft.
Wenn er all dies hat…kann er kopulieren, sich vermehren, seinen Lebenszweck erfüllen der da heisst: Aufzucht der Brut. Theater also ist Luxus, genauso wie eine Zimmerpflanze oder ein Fussball, Dampfschiff, Verrichtungsboxe, Sitzgelegenheit Globi, Rohner-Wandersocke Black and Decker Bohrmaschine, Kuhglocke, FlipFlop, Deodorant etc …
Dank Facebook erfahre ich, wer was zum Frühstück isst, wer was zum Abendessen kocht, 40 Friends liken die Information, manchmal auch 80 und einige schreiben: «Mmh, g’sehd fein uus», Ausrufezeichen. 
Was ich sagen will und schon gesagt habe: Worte sind schnell gesprochen und werden immer schneller gesprochen, darum braucht es das Theater noch mehr als es das Theater je gebraucht hat Theater ist Sprache ist Inhalt, Theater ist ein geschützter Raum, ein Ort der Gesellschaft und vor allem: ein Ort der Reflexion oder, auf eine Formel gebracht: Theater ist ein geschützter Sprachraum, der gesellschaftlichen Reflexion und, in Klammern.
Im Theater lernt man sich selber , besser verstehen, Zumindest: Jedesmal ein ganz klein wenig besser und auch die Menschen, das Lieben, das Leiden, das Leben, die Welt. Wohlwissend, dass man sich selber, die Menschen, das Lieben, das Leiden, das Leben, die Welt, nie wirklich verstehen wird. Aber doch immerhin: Jedesmal ein ganz klein wenig besser, denn: Sein, das verstanden werden kann ist Sprache.
Und obwohl auch Theaterworte, manchmal schnell gesprochen werden, so sind sie doch nie dahingesagt. Jedes einzelne Wort und selbst jedes schnell gesprochene hat im Theater immer eine unmittelbare Wirkung, also: eine sichtbare Bedeutung oder anders: es gibt im Theater jede Sekunde, eine Ursache: das Wort. Und jede Sekunde hat das Wort, eine Wirkung, löst eine Reaktion aus oder eine Nicht-Reaktion, was ebenfalls seine Bedeutung hat.
Ein Wort kann: verletzen, erniedrigen, erfreuen, zerstören, besänftigen, beschönigen, ein Lachen auslösen, einen Zweifel säen …Ein Wort kann töten oder die Liebe erklären. Sprache ist mächtig, wir wissen es, mächtiger als das Schwert. Jeder Krieg wird mit Worten gerechtfertigt und ohne Worte gibt es keinen Frieden. Theater ist ein Ort dieser mächtigen Sprache und manchmal auch ein Ort des beredten Schweigens so oder so ist Theater immer. Ein Ort der Reflexion. Und darum wäre es schlimm, wenn es kein Theater mehr gäbe. Übrigens schlimm auch für jene, für die es nicht schlimm wäre, denn auch sie leben in einer Zeit, da Siri nach dem Sinn des Lebens gefragt, sich anerbietet im Internet nachzuschauen. 

Kommentare

  1. Gianotti7/12/2017

    Gerade für junge Frauen ist ein Theaterjob ein schwieriges Umfeld, weil immer so eine latente Sexualisierung in der Luft liegt und das sage ich als eine die es weiß.

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    1. Kornblume7/12/2017

      Also genau das Gegenteil von einem ach so tristen Alltag. Das nächste Mal erinnere ich dich daran. :-)

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  2. v.SauluszPaulus7/12/2017

    Ich finde(als eine Person, die so ca. 2x im Jahr ins Theater geht), dass Theater viel mehr als Kino einen gewissen Überraschungseffekt mit sich bringt. Man weiß nicht, was einen erwartet. Das ist total interessant, schon allein der Unterschied zwischen großen und kleinen Theatern - manchmal ist der Schauspieler 10, manchmal nur 2 Meter von dir entfernt. Also ich liebe es.

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  3. Prinzessin auf der Erbse7/12/2017

    Als angehende Bühnenschauspielerin gehe ich auch so oft wie möglich ins Theater und empfehle es auch.

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  4. Es lohnt sich als Besucher vor einem Opernbesuch immer, die Geschichte zum Stück durchzulesen, um einen Überblick über die Handlung zu bekommen. Sonst besteht kaum die Chance, das Geschehen verfolgen zu können, und es kann tatsächlich schnell sehr langweilig werden.

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  5. Elisabeth Serr7/21/2017

    Da wir von immer mehr Produzenten-Schwachsinn und unglaublich schlechten, einfältigen Theaterproduktionen und Künstlern die nichts weitergeben können umgeben sind, ist es aber wichtig, bewusst zu konsumieren.

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